Auf einen Schlag ist alles anders: Ein Schlaganfall hat oft Folgen, die das ganze Leben danach bestimmen. Einigen Betroffenen fällt das Sprechen schwer, weil Worte wie wegradiert scheinen. Oder das Gehen, weil eine Körperhälfte einfach nicht will. Nicht selten fallen Menschen, die einen Schlaganfall erlebt – und überlebt – haben, in ein tiefes Loch, entwickeln eine Depression.
Das ist nicht nur herausfordernd für die Betroffenen, sondern auch für ihre Liebsten. Zumal ein Schlaganfall oft die Persönlichkeit von Betroffenen verändert, sie womöglich aggressiver oder ungeduldiger macht, als man sie vorher kannte. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe gibt Angehörigen Tipps, um gut mit der Situation umzugehen.
Jeder Schlaganfall ist anders. Wer sich ausführlich über den Schlaganfall und dessen Folgen informiert, kann besser auf die betroffene Person eingehen. Zum Beispiel, wenn sie von Sprachstörungen, also einer Aphasie, betroffen ist. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe rät Angehörigen dann unter anderem, einfache Sätze zu sprechen und Ja/Nein-Fragen zu stellen. Sinnvoll ist auch, das Thema des Gesprächs durch ein prägnantes Schlüsselwort anzukündigen („Ich möchte mit dir über den Arzt sprechen.“). Was aber tabu ist: Babysprache verwenden.
Mit Blick auf die Persönlichkeitsveränderungen wichtig, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen und persönlich zu nehmen. Die Schlaganfall-Hilfe rät Angehörigen, sich ins Gedächtnis zu rufen: Das ist keine bewusste Absicht, sondern die Krankheit.
Auch wenn es schwerfallt, weil schnell ein schlechtes Gewissen dazwischenfunkt: Angehörige sollten sich bei allem Einsatz nicht selbst vergessen. Das heißt: Sie dürfen sich Auszeiten gönnen und weiterhin die Dinge in ihren Alltag einbauen, die ihnen wieder Kraft schenken – Hobbys oder Zeit mit Freundinnen und Freunden etwa.
Die Schlaganfall-Hilfe nennt einen Gedanken, der dabei helfen kann: Niemandem ist geholfen, wenn man sich bis zur totalen Erschöpfung aufopfert.
„Du, dieses Gefühl kenne ich nur zu gut!“ Zu wissen dass es anderen ähnlich geht – das kann Balsam für die Seele sein. Und so können Selbsthilfegruppen ein Ort sein, an dem Angehörige wertvollen Austausch finden.
Übrigens: Was ebenfalls Entlastung bringen kann, ist die Unterstützung von ehrenamtlichen Schlaganfall-Helfern. Sie können beim Ausfüllen von Formularen helfen, zu Arztterminen begleiten oder Betroffenen zeigen, wie sie auch mit einer Hand noch selbst kochen können. Einen Überblick über Schlaganfall-Helfer-Projekte gibt es auf der Webseite der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.
dpa
Schnelles Handeln kann die Folgen begrenzen
AM 10. Mai 2025 findet in Deutschland der Tag gegen den Schlaganfall statt. Bundesweit gibt es zu diesem Anlass an und um den Tag vielfältige Aktionen und Informationsveranstaltungen rund um den Schlaganfall. Dieser Aktionstag wurde 1999 von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ins Leben gerufen. Teilnehmer des Tages gegen den Schlaganfall sind beispielsweise Selbsthilfegruppen, Schlaganfall-Spezialstationen (sogenannte Stroke Units) sowie Fachärzte.
In Deutschland erleiden jährlich rund 270 000 Personen einen Schlaganfall, wobei zu 80 Prozent Menschen ab einem Alter von 60 Jahren betroffen sind. Im Jahr nach dem Erleiden eines Schlaganfalls versterben bis zu 40 Prozent der Betroffenen und etwa 64 Prozent der Überlebenden bleiben pflegebedürftig. Generell gilt der Schlaganfall als die häufigste Ursache für im Erwachsenenalter erworbene Behinderungen.
Bei einem Schlaganfall verstopft oder platzt ein Blutgefäß im Gehirn oder ein Gefäß im Halsbereich, das für die Hirnversorgung zuständig ist. Somit werden die Gehirnzellen nicht mehr ausreichend versorgt und können absterben.
Durch schnelles Handeln können die Folgen begrenzt werden. Bei jedem Verdacht auf Schlaganfall muss umgehend der Notruf (112) verständigt werden. Charakteristische Anzeichen für einen Schlaganfall sind Seh- und Sprachstörungen, Lähmung und Taubheitsgefühl, Schwindel mit Gangunsicherheit und ein sehr starker Kopfschmerz.
Der Betroffene sollte nicht trinken oder Medikamente zu sich nehmen. Bei Bewusstlosigkeit ist er in die stabile Seitenlage zu bringen. Gegebenenfalls muss umgehend mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden.
dfr
Gefahr durch Bluthochdruck
20 bis 30 Millionen haben in Deutschland Bluthochdruck. Die meisten von ihnen wissen nichts davon einen und riskieren so Schlaganfall. Laut Untersuchungen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nehmen nur knapp ein Fünftel der Betroffenen nahm Medikamente dagegen. Gesetzlich Versicherte können sich ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre in der Arztpraxis durchchecken lassen. Eine weitere Möglichkeit ist der Risiko-Check der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, den Unternehmen, Behörden oder Vereine buchen können.
djd