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Berufsfachschule oder Hochschule?

Das Messen der Flexion des Handgelenks ist eine der vielen Aufgaben, die zum Berufsbild der Ergotherapie gehört. Foto: Uwe Anspach/dpa S

Welche unterschiedlichen Wege in die Therapieberufe es gibt

Im Gesundheitswesen herrscht – wie in vielen Branchen – Fachkräftemangel, der Bedarf an Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten ist hoch. Doch der Weg in diese Therapieberufe kann unterschiedlich aussehen. Denn neben der dreijährigen Ausbildung an einer Berufsfachschule haben sich in den letzten Jahren auch verschiedene Studiengänge etabliert.

Sigrun Nickel vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) beobachtet die Teilakademisierung bereits seit längerem: „Diese Parallelführung von Berufsausbildung und akademischem Weg stellt die Leute, die sich für diese Berufe interessieren, vor besondere Herausforderungen“, sagt sie.

Gemeinsam mit einer Kollegin hat Nickel ausgewertet, dass die Ausbildung an einer Berufsfachschule in Deutschland immer noch dominiert, der Zulauf an den Hochschulen aber wächst. Und wer einen akademischen Abschluss anstrebt, kann aus verschiedenen Formaten wählen. Wie also eine Entscheidung treffen?

Zunächst einmal zur beruflichen Ausbildung: Diese ist sowohl bei Physiotherapeuten wie auch Logopäden und Ergotherapeuten jeweils bundesweit einheitlich geregelt. Alle drei Ausbildungen dauern drei Jahre und kommen für Menschen mit mittlerem Schulabschluss in Frage. Sie finden an entsprechenden Berufsfachschulen statt und – abhängig vom Beruf - im praktischen Teil der Ausbildung etwa in Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen oder logopädischen Praxen.

Die Wege zum akademischen Abschluss in den Therapieberufen können hingegen unterschiedlich aussehen – und erfordern eine Hochschulzugangsberechtigung, Abitur etwa oder Fachhochschulreife.

Bei Primärqualifizierenden, auch grundständig genannten, Studiengängen studiert man an einer Hochschule und absolviert Praxisphasen in therapeutischen Einrichtungen.

Beim dualen, ausbildungsintegrierenden Studium gibt es laut Nickel von vornherein zwei Lernorte: einen Ausbildungsbetrieb und die Hochschule. „Das besondere ist die enge inhaltliche und organisatorische Verknüpfung zwischen beiden“, so die Expertin. Weniger verbreitet ist das ausbildungsbegleitende Studium. Hier müssen Arbeitgeber und Hochschule nicht zwangsläufig miteinander kooperieren.

Und auch nach einer Ausbildung ist das Studium möglich: Insgesamt sind derzeit sogar die meisten Studiengänge in den Therapieberufen als Ergänzung – additiv – zu einer bereits abgeschlossenen Ausbildung im Gesundheitsbereich angelegt. Vorausgesetzt wird beim Studium laut Julia Deutschen Schirmer vom Verband für Ergotherapie (DVE) zwar eine Hochschulzugangsberechtigung. Diese könne jedoch auch über eine Anerkennung von Kompetenzen erfolgen.

Ein additives Studium dauert laut Schirmer „in der Regel zwei bis drei Semester“. Bei den anderen Formaten müsse man sich auf mindestens sieben Semester einstellen. Und damit auf eine längere Dauer als bei der dreijährigen Ausbildung an der Berufsfachschule.

Enge Begleitung bei der Ausbildung

Sollte nun, wer eine Hochschulzugangsberechtigung hat, auf jeden Fall studieren? Laut Julia Schirmer vom DVE nicht unbedingt. „Wenn jemand eine enge Begleitung und vorgegebene Strukturen braucht und eine überschaubare Atmosphäre sucht, kann auch eine Berufsfachschule das Richtige sein“, so die Ergotherapeutin. Hier seien die Kohorten meist kleiner als an Hochschulen.

Ein weiterer Vorteil besteht laut Sigrun Nickel vom CHE darin, dass der Weg in den Beruf bei der Ausbildung oft klar vorgezeichnet ist, wenn die Berufsfachschulen eng mit Unternehmen kooperieren. „Die bieten mir dann, ähnlich wie im ausbildungsintegrierenden oder -begleitenden Studium, nach dem Abschluss möglicherweise eine Übernahme an“, so die Expertin.

Sie hält die Ausbildung zudem für eine gute Option für Menschen, die sehr praktisch veranlagt sind und eine „Hands-on-Mentalität“ haben.

Laut Antje Krüger, Vizepräsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (dbl), sind allerdings auch in einem Studium praktische Anteile vorgeschrieben – und kommen nicht zu kurz. Der zentrale Unterschied zwischen Ausbildung und Studium besteht ihr zufolge darin, „dass man nach Abschluss eines Bachelorstudiums gelernt hat, wissenschaftlich zu arbeiten und den Patienten evidenzbasiert zu behandeln“.

Man sei dann in der Lage, sich in aktuelle Studien einzulesen, könne daraus Schlussfolgerungen für die eigene Arbeit ziehen. „Sie können etwa bewerten, ob eine Therapiemethode im Einzelfall Sinn ergibt oder nicht“, so Krüger.


Beim Lispeln kommen Logopäden helfend zum Einsatz

Ursachen für fehlerhaftes Artikulieren sind vielfältig

Wenn kleine Kinder lispeln, finden das viele Erwachsene erst einmal niedlich. Und tatsächlich ist das falsch artikulierte „S“ zunächst kein Grund zur Sorge. In den ersten drei bis vier Lebensjahren tun sich viele Kinder schwer damit, die S, Sch- und Z-Laute richtig zu bilden.

Oft hört das Lispeln mit zunehmendem Alter von alleine auf. Artikulieren Mädchen oder Jungen die S-, Sch- und Z-Laute mit fünf Jahren immer noch fehlerhaft, sollten Eltern mit ihnen aber zum Kinderarzt gehen. Je nach Befund verordnet der Arzt oft eine Therapie bei einem Logopäden. Er kann etwa die Selbstwahrnehmung des Kindes schulen, damit es die falsch gebildeten Laute erkennt.

Unternehmen aus der Region

Die Ursachen sind vielfältig. Beispielsweise können Zahnlücken oder -fehlstellungen bei Kindern dazu führen, dass sie lispeln. Sobald der Zahn nachgewachsen oder die Fehlstellung korrigiert ist, hört das Lispeln meistens auf.

Ein weiterer möglicher Grund: Hörstörungen. Auch Schäden oder Fehlbildungen an Zunge oder Gaumen können das korrekte Artikulieren erschweren oder unmöglich machen. Das Lispeln kann auch auf einer auditiven Wahrnehmungsstörung basieren: Dabei ist das Kind nicht in der Lage, wichtige und unwichtige oder ähnliche Geräusche zu unterscheiden.
dpa


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