Wer am morgigen Samstag den Weg in das Delmenhorster Stadion findet, könnte Zeuge eines großen Fußballfestes werden. Wenn es dem hoch favorisierten Fußball-Oberligisten SV Atlas in Düsternort nämlich gelingt, den bereits als Absteiger feststehenden SV Holthausen-Biene zu besiegen, kann den Delmenhorstern der erste Platz und der damit verbundene Sprung in die Regionalliga nicht mehr streitig gemacht werden und die große, ausgelassene Aufstiegsfeier kann nach dem Abpfiff starten. Um 18 Uhr wird Schiedsrichter Lars Schulmeister vom TSV Sülsfeld das vorletzte Saisonspiel des SVA anpfeifen.
Zuletzt waren stets deutlich über 1000 Zuschauer bei den Atlas-Heimspielen. Am Samstag wird wegen der Besonderheit der Partie womöglich sogar die 2000er-Marke geknackt, weil alle auf eine große Meisterfeier hoffen.

Wenn die Delmenhorster Spieler von Trainer Key Ribau angesichts des so nahen Aufstieges die Köpfe frei bekommen und ihre normale Form finden, dürfte der Rückkehr in die vierthöchste Spielklasse nichts im Wege stehen. Die Rückkehr in die Regionalliga Nord, dort wo die Blau-Gelben zuletzt von 2020 bis 2023 angesiedelt waren.
Den zweiten Tabellenplatz, der zur Aufstiegs-Relegation berechtigt, sicherte sich der SVA bereits am vorigen Sonntag mit dem 0:0 im Topspiel beim Tabellendritten Germania Egestorf-Langreder, weil Verfolger Heeslinger SC auf eigenem Platz völlig überraschend mit 1:2 gegen den Abstiegskandidaten MTV Wolfenbüttel verlor.
Nach der eher durchschnittlichen Leistung beim 0:0 auf dem nur schwer bespielbaren holprigen Platz in Barsinghausen wäre für morgen eine Leistungssteigerung wünschenswert. Allerdings blieben die Delmenhorster nach der Winterpause im siebten von zwölf Spielen ohne Gegentor.
SV siegte auswärts in Heeslingen
Für den morgigen Gast steht der Abstieg nach nur einem Jahr Oberliga seit der 2:4-Heimniederlage gegen VfV Hildesheim am 22. April bereits fest. Mit aktuell nur drei Saisonsiegen, den meisten Gegentoren (85) und 13 mageren Punkten nach 27 Spielen war die Liga nicht zu halten. Als Schlusslicht der Auswärtstabelle gelang Holthausen-Biene auf fremdem Geläuf bisher nur ein Sieg. Aber Achtung SVA: Der gelang am 22. März bei einem Topteam – nämlich in Heeslingen.
Gut drei Monate vorher war der damals schon stark abstiegsbedrohte SV Holthausen-Biene bei seiner Trainersuche schnell fündig geworden: Zehn Tage nach Henning der Entlassung von Aufstiegstrainer Schmidt gaben die Emsländer am 18. Dezember 2025 bekannt, dass der 30-jährige Emiel ten Donkelaar das Team ab Mitte Januar auf die Rückrunde vorbereiten wird.
Ten Donkelaar coachte zuletzt den Landesligisten FC Schüttorf 09 und machte im Sommer eine besondere Erfahrung, als er eine Grafschafter Auswahl in einem Freundschaftsspiel gegen den Zweitligisten FC Schalke 04 als Trainer begleiten durfte. Beim FC 09 stand der niederländische UEFA-B-Lizenz-Inhaber für mutigen Offensivfußball, der immer wieder für spektakuläre Ergebnisse sorgte – allerdings häufig auf Kosten der eigenen defensiven Stabilität.
Atlas gewann das Hinspiel am Biener Busch Anfang November glatt mit 3:0. Nico Poplawsi und Justin Dänenkamp mit Doppelpack waren die Torschützen. In Erinnerung ist auch noch der 6:0-Auswärtserfolg der Delmenhorster im Pokal-Viertelfinale. Im September 2024 traf Ibrahim Termin dreimal, die restlichen Treffer teilten sich Leonit Basha, Joel Schallschmidt und Marcel Marquardt. Laut Atlas-Kenner Peter Kupka verbuchte der SVA in der Punktspielbilanz bei einem Remis und zwei Niederlagen sechs Siege. In dieser Bilanz sind sechs Verbandsligaspiele und zwei Landesligaspiele sowie das Hinspiel in dieser Oberligasaison enthalten. Die Heimbilanz aus Atlas-Sicht lautet 3-1-1.
Ein Blick über den Tellerrand: Der Heeslinger SC – die einzige Mannschaft, die Atlas bei einer Niederlage am Samstag theoretisch noch von Platz eins verdrängen könnte – tritt morgen beim Schlusslicht Martini Wolfsburg an, absolviert dann am folgenden Mittwoch sein Nachholspiel beim Lüneburger SK und hat am letzten Spieltag den SC Spelle-Venhaus zu Gast.
Zeitgleich wenn der SVA beim SV Wilhelmshaven aufläuft. Dann hoffentlich bereits als Regionalligist...
Regionalliga-Lizenz ist angekommen
Auf dem Papier ist der Weg in die Regionalliga bereits praktisch schon frei. Um in der vierthöchsten Spielklasse antreten zu dürfen, ist zusätzlich die Zulassung durch den Norddeutschen Fußball-Verband (NFV) erforderlich. Dieser teilte jetzt mit, dass Atlas die Regionalliga-Lizenz erhalte – „mit geringfügigen Auflagen im administrativen und/oder infrastrukturellen Bereich“.
In den kommenden Wochen gilt es nun, in den erforderlichen Bereichen nachzubessern, um alle Auflagen zu erfüllen. Dass der SV Atlas die Voraussetzungen erfüllen wird, davon ist auszugehen. Schließlich spielten die Delmenhorster bereits von 2020 bis 2023 in der Regionalliga. Die Bedingungen im Düsternorter Stadion haben sich seitdem verbessert. Inzwischen gibt es Flutlicht. Zudem erhält der Gästeblock neue Zäune, die Bauarbeiten dafür laufen noch.
Dieter Freese